Umweltschutz lernen im und für's Wattenmeer

Führung ins Wattenmeer
Führung ins Wattenmeer Nordsee
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(sh-na) In der Jugendherberge Tönning erkunden Schüler gemeinsam mit Umweltpädagogen den Lebensraum Wattenmeer. Dabei wird das Umweltbewusstsein geschult und die Wahrnehmung für Naturphänomene geschärft.

Gräulich schimmert das Wattenmeer morgens an der Küste vor Eiderstedt. Eine flache, scheinbar endlose Ebene, nur unterbrochen von Pfützen und kleinen Rinnsalen. Unter den ersten Sonnenstrahlen blitzen sie silbrig auf und bilden mit dem welligen, gerippten Boden ein Mosaik, dass jeden Tag aufs Neue unverwechselbar von der Natur geschaffen wird. Die Luft riecht salzig, am Himmel rufen Möwen, kleine Austernfischer mit schwarz-weißem Gefieder staksen durch den kühlen Matsch, auf der Suche nach etwas Essbaren. Es herrscht Ebbe an der Nordsee. Das Meer hat sich kilometerweit zurückgezogen und seinen Boden freigelegt.

Das ist der Arbeitplatz von Birte Habel. Mehrmals pro Woche marschiert die Umweltpädagogin der Jugendherberge Tönning mit Schülergruppen ins Watt und erklärt ihnen die Besonderheiten dieser weltweit einzigartigen Naturlandschaft, die sich von Dänemark über Schleswig-Holstein bis zu den Niederlanden erstreckt. Auf einer Länge von mehr als 450 Kilometern.

Am Deich warten bereits die Schüler eines Biologie-Leistungskurses aus Berlin mit hochgekrempelten Hosenbeinen auf ihre erste Exkursion ins Wattenmeer. Bevor es losgeht, gibt die Umweltpädagogin noch eine kurze Einweisung mit der Bitte, sich ruhig und respektvoll beim Wandern im Wattenmeer zu verhalten. „Wenn wir jetzt über freigelegten Meeresboden laufen“, erklärt die studierte Geografin, „spazieren wir durch den natürlichen Lebensraum der Wattbewohner, im Grunde durch das Wohnzimmer von Vögeln, Muscheln und anderen winzigen Lebewesen“.

Führungen ins Wattenmeer
Barfüßig, ausgerüstet mit Eimern, Schaufeln und Keschern setzt sich der Tross in Bewegung. Schon nach 100 Metern gibt es einen ersten Stopp. Die ausgeschiedenen Sandhäufchen des Wattwurms werden untersucht und mit dem umliegenden Sand verglichen. „Der Sand vom kleinen Wattwurm ist viel feiner, trockener und sauberer“, ruft ein Schüler. „Und er riecht weniger nach Algen“, ergänzt ein anderer. Und tatsächlich: Wattwürmer fressen Sand, verdauen anhaftende organische Teile wie Pflanzen- und Tierreste und scheiden fein gefilterten Sand wieder aus. „Sand ist nicht gleich Sand“, sagt Birte Habel und erklärt den Unterschied zwischen Sand aus dem Mischwatt und dem Schlickwatt. Die Schüler werden beides genau untersuchen.

Weiter geht’s an einen der vielen Priele - Wasserläufe im Watt - in denen Garnelen, Krebse und Fischarten wie Scholle und Steinbutt zu Hause sind. Bis zu den Knien stehen alle im Wasser und fangen mit ihren Keschern einzelne Garnelen, die direkt im meerwassergefüllten Eimer landen. „Im Sommer wandern mit jeder Tide viele Garnelen ins Wattenmeer, um dort nach Nahrung zu suchen“, erklärt Umweltpädagogin Habel, „bei Ebbe ziehen sie sich in die Priele zurück“.
Dass eine Garnele insgesamt 20 Beine hat und ihre Körperfarbe jeweils dem Untergrund anpassen kann, lernen die Berliner Schüler gleich mit, bevor die Tiere wieder freigelassen werden.

Umweltschutz für das Wattenmeer
Bevor es aus dem Watt geht, werden noch einige Muscheln für den Nachmittag gesammelt. Als Umweltstudienplatz Nordseeküste hat die Jugendherberge Tönning ein gut ausgestattetes Wasserlabor mit Aquarium für meeresbiologische Untersuchungen. Dort werden nachmittags die gesammelten Funde genau unter die Lupe genommen. Für den Leistungskurs aus Berlin steht unter anderem das Thema Miesmuschel auf dem Programm. Sie lernen anhand einfacher Versuche, dass die Miesmuschel ganz zu recht als „Kläranlage der Nordsee“ bezeichnet wird und mit ihrer Länge von nur drei Zentimetern einen Liter Wasser pro Stunde filtriert. Aufmerksam hören die Schüler zu.

Den Naturraum Wattenmeer zu schützen liegt Birte Habel besonders am Herzen. Deshalb weist sie nicht nur auf die fatalen Konsequenzen der Umweltverschmutzung hin, sondern zeigt Möglichkeiten des Umweltschutzes für jeden einzelnen auf. „Das fängt bereits im Haushalt an“, sagt sie, „alles was in den Abfluss kommt landet in irgendeiner Weise im Meer“. Die Großstädter sind beeindruckt. „So spannend könnte unser Unterricht immer sein“, sagt eine Schülerin und spricht damit allen anderen aus der Seele.

Text: DJH Landesverband Nordmark

Foto: TASH / Bettina Hagen

Datum: 29.04.2009

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