Nordsee-Winterurlaub mit Pharisäer und Eiergrog

Nordsee-Winterurlaub mit Pharisäer und Eiergrog
Eiergrog gehört zum Winterurlaub an der Nordsee
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Wenn es im Winterurlaub an der Nordsee kühl zugeht, erfreuen sich Feriengäste und Einheimische der Ferienregionen an der Nordsee gern an einem wärmenden „Pharisäer“ oder einem heißen „Eiergrog“. Wo diese nordischen Spezialitäten herkommen, lesen Sie im Folgenden.

(sh-na) Als Pastor Georg Bleyer 1872 „Oh ihr Pharisäer!“ ausrief, wurde er unwillentlich zum Namensgeber des Nationalgetränks der Nordfriesen. Die hatten sich nämlich, um dem Alkoholverbot des asketischen Pastors zu entgehen, eine List ausgedacht: Anstatt den bei den Friesen üblichen Kaffee zu trinken, bereiteten sie bei einer Taufe im Hause des Bauern Peter Johannsen auf der Insel Nordstrand (Ferienhäuser Nordfriesland) Kaffee mit Rum und Schlagsahne. Die Sahnehaube des Heißgetränkes verhinderte dabei, dass der Rum im heißen Kaffee verdunstete und es nach Alkohol roch.

Während die Gäste immer heiterer wurden, reichte man dem Pastor ausschließlich puren Kaffee. Ob der Gottesdiener später versehentlich zum Mischgetränk griff oder durch die ausgelassene Stimmung seiner Schäfchen misstrauisch wurde, ist nicht überliefert. Sicher ist nur, dass der von Bleyer getaufte „Pharisäer“ heutzutage nicht nur bei Feierlichkeiten getrunken wird, sondern immer, wenn es kalt ist. Also jetzt. Seine Zubereitung ist auch kein Geheimnis: Man nimmt starken Kaffee, süßt ihn mit Würfelzucker, gibt 4 cl braunen Rum dazu und Schlagsahne drüber. Niemals umrühren, sondern durch die Sahne trinken. Wer sich nicht an diese Tradition hält und das Getränk dennoch umrührt, muss eine Lokalrunde spendieren.

Ein weiteres herrlich wärmendes Getränk im hohen Norden ist der Eiergrog. In der Schankwirtschaft Wilhelm Andresen, einem jahrhunderte alten, denkmalgeschützten Haus in Tönning (Hotels St. Peter-Ording) wurde der Eiergrog erfunden: Die Mutter des heutigen Inhabers, lange vor der Filmfigur aus den 50er Jahren die „Blonde Cathrein“ genannt, war weit über die Landesgrenzen nicht nur für ihre offene und ehrliche Haltung bekannt, sondern vor allem für ihren Eiergrog berühmt. So berühmt, dass sich jahrelang zahlreiche Zeitungen, Zeitschriften, Reiseführer und Radiostationen um Interviews mit dem Eiderstedter Original rissen. Wer es der „Blonden Cathrein“ nachtun möchte, braucht ein Eigelb, Vanillezucker, normalen Zucker, Rum und obendrauf heißes Wasser.

Text: Schleswig-Holstein (TASH)

Foto: © TASH/ I. Wandmacher

Datum: 16.12.2009

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