Guter Zustand des Wattenmeeres

Großes und kleines Seegras
Großes und kleines Seegras
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Auf die Frage nach der wichtigsten Motivation für einen Nordseeurlaub steht ganz sicher bei den allermeisten Gästen: der Strand. Dieser nimmt an der Nordseeküste recht unterschiedliche Formen an. Charakteristisches Merkmal der Nordseeküste zwischen dem dänischen Esbjerg und der holländischen Insel Texel ist eine Besonderheit - das Wattenmeer. Bei Ebbe wird die Bademöglichkeit durch ein anderes Erlebnis ersetzt, die Wattwanderung. Das Wattenmeer gehört jedoch unabhängig von seiner touristischen Attraktivität zu den wichtigsten Biotopen überhaupt. Es ist nicht nur lebensort für die verschiedensten Lebewesen, sondern auch Rastplatz für Millionen von Zugvögeln. Deshalb ist ein ökologisch gesunder Zustand des Wattenmeeres von enormer Bedeutung. Einige wenige Indikatoren sind Anzeichen für den Zustand des Wattenmeeres.

Seegras und Grünalgen

Die Verwaltung des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer in Tönning lässt ihre Bestände regelmäßig durch Befliegungen ermitteln. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in List auf Sylt (AWI) legten nun erfreuliche Ergebnisse vor. Im vergangenen Sommer bedeckten Seegräser 13 Prozent des nordfriesischen Wattenmeeres, während Grünalgen mit einem Flächenanteil von 0,3 Prozent vorkamen. Die gute Verbreitung der Seegräser und das spärliche Vorkommen der Grünalgen zeigen dasselbe: Im Wattenmeer nimmt die Belastung mit Nährstoffen ab, der ökologische Zustand verbessert sich.

Seegraswiesen

Seegräser sind mehrjährige, krautige Blütenpflanzen. Sie wachsen im Flachwasserbereich von sandigen Flachmeerküsten. Auf unseren Wattflächen können das Große Seegras und das Zwergseegras (Zostera noltii) im Sommer ausgedehnte und dicht bewachsene Wiesen bilden, die einen eigenen Lebensraumtyp darstellen. Im Sommer bilden dichte Seegraswiesen im Gezeitenbereich von Nordfriesland vielerorts wieder einen weichen Teppich auf dem Wattwanderer gern laufen. Nach Einschätzung der AWI-Wissenschaftler befindet sich dort das größte zusammenhängende Seegrasvorkommen Europas. Der gegenwärtige Bestand ähnelt dem auf Luftaufnahmen aus den 1930er Jahren. Dieser gute Bestand ist besonders erfreulich, weil das Große Seegras (Zostera marina) damals durch eine epidemische Erkrankung stark zurückging, wovon es sich bis heute kaum erholte. Noch in den 1990er Jahren lag der Flächenanteil der beiden Seegrasarten in Nordfriesland nur bei 3 Prozent. Seit 2009 dehnen sich die Seegräser aber auf über 100 Quadratkilometern aus, was einem Flächenanteil von über 10 Prozent des nordfriesischen Wattenmeeres entspricht. Im Dithmarscher Wattenmeer ist ihr Anteil traditionell gering und kleiner als 1 Prozent. Nach der europäischen Wasserrahmenrichtlinie werden nicht nur Seegräser, sondern auch Grünalgen als empfindliche Indikatoren für Nährstoffeinträge in Küstengewässer angesehen.

Grünalgen

Während Seegräser an nährstoffärmere Gewässer angepasst sind, ist es bei Grünalgen umgekehrt. Bei einem hohen Angebot an Stickstoff und Phosphat können sie sich massenhaft entwickeln. Mit bis zu 20 Prozent der Wattfläche Schleswig-Holsteins hatten die Grünalgen ab Ende der 1980er Jahre wegen der hohen Einträge von Nährstoffen in die Nordsee eine zuvor nicht beobachtete Ausdehnung erreicht. Ihren dichten Matten blockierten den Sauerstoffzugang des Wattbodens und der darin lebenden Tiere. Im Sommer starb das Leben unter den Algenmatten, schwarze Flecken bildeten sich unter ihnen und am Rande verursachten Schwefelbakterien milchige Zonen. Im vergangenen Jahr wurde dies nicht beobachtet. 2014 bedeckten Grünalgen nur etwa 3 Quadratkilometer (= 0,2 Prozent) des schleswig-holsteinischen Wattenmeeres.

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Nationalparkzentrum Tönning / nordlicht verlag

Foto: © lkn-sh/Martin Stock

Datum: 05.05.2015

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